• 25 Objekte aus dem Carl Bosch Museum
    zum 25-jährigen Jubiläum der Klaus Tschira Stiftung


    Dieses Jahr wird die Klaus Tschira Stiftung 25 Jahre alt. Das Carl Bosch Museum gratuliert zum Jubiläumsjahr mit der digitalen Präsentation von 25 ausgewählten Objekten aus der Dauerausstellung sowie Schätzen aus dem Archiv des Museums. Deren wissenschaftlichen Hintergrund möchten wir Ihnen hier in den kommenden Wochen prägnant und verständlich darstellen. Ab dem 15. Mai finden Sie die wunderbaren Objekte in lockerer Reihenfolge pointiert beschrieben hier auf unserer Internetseite. Unsere Schätze wurden dafür von Mitarbeitern und Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete, mit denen das Carl Bosch Museum im regen akademischen Austausch steht, ausgesucht und beschrieben. Erfahren Sie mehr über die Hochdrucktechnik, heimische Moose und viele andere große und kleine Kostbarkeiten des Museums. Kommen Sie mit uns auf eine abwechslungsreiche, informative Reise durch das Leben und die Zeit Carl Boschs!


     
    10. FOTOALBUM: Die finanziellen und wirtschaftlichen Sachverständigen der deutschen Friedensdelegation in Versailles, Mai und Juni 1919
    8 Blätter, darin 24 Porträtaufnahmen mit Autogramm, SW-Papierabzüge, Karton, 38,5 x 30,5 cm

    Nach vier Jahren Krieg schwiegen am 11. November 1918 die Waffen, das Waffenstillstandsabkommen von Compiègne besiegelte das Ende des Ersten Weltkrieges. Ludwigshafen, in der linksrheinischen Besatzungszone gelegen und mit der BASF kriegswichtiger Rüstungsstandort, wurde am 6. Dezember von der französischen Armee besetzt, die Vorräte der BASF beschlagnahmt und die Rheinübergänge gesperrt. Unter den Eindrücken der sich überschlagenden Ereignisse in Deutschland – Kriegsende, Revolution und Ausrufung der Republik am 9. November – erreichte Carl Bosch am 10. Dezember ein Telegramm aus Berlin mit der dringenden Bitte, sich umgehend ins belgische Spa zu begeben. Dort solle er als Sachverständiger bei den Waffenstillstandsverhandlungen die Interessen der deutschen Wirtschaft, insbesondere der chemischen Industrie vertreten.
    Dieselbe Aufgabe hatte Carl Bosch auch bei der Friedenskonferenz von Versailles inne, die am 18. Januar eröffnet wurde. Wie unser Fotoalbum bezeugt, waren neben ihm die führenden Vertreter aus Finanzwelt und Wirtschaft als Sachverständige der deutschen Friedensdelegation geladen, angeführt vom Außenminister und Delegationsleiter Ulrich Graf Brockdorff-Rantzau. Alle 24 Porträtfotografien sind eigenhändig signiert.
    Erst Ende April war die deutsche Delegation zur Konferenz zugelassen, Carl Bosch traf am 29. April in Versailles ein. Man hoffte auf Verhandlungen und war gut vorbereitet: 51 Denkschriften sollten Antworten auf mögliche Forderungen bereithalten, darunter auch jene von Carl Bosch, betitelt „Die deutsche chemische Industrie und ihre Wünsche bei den Friedensverhandlungen". Drängende Aufgabe sei es, die internationalen Handelsbeziehungen und damit den Exportmarkt wiederaufzubauen, die infolge des Krieges zum Erliegen kamen. Als Voraussetzung dafür müsse im Friedensvertrag die „Gleichheit der Handelsbeziehungen unter allen Völkern" festgeschrieben werden.
    Die deutsche Delegation, von jeglichen Verhandlungen ausgeschlossen, konnte nichts bewirken – ihr blieb nur, das Friedensdiktat am 7. Mai entgegenzunehmen. Der Schock hinsichtlich der Bedingungen saß tief, auch bei Carl Bosch, der die Schließung der BASF befürchten musste. In der Folge handelte er, inzwischen Vorstandsvorsitzender der BASF, mit Vertretern der französischen Regierung einen Kompromiss aus, der dies verhindern sollte: Im Vertrag vom 11. November 1919, Jahrestag des Waffenstillstands, überließ die BASF Frankreich die Lizenz für die Haber-Bosch-Technologie und willigte ein, mit ihrem Know-how den Bau einer Ammoniakfabrik in Toulouse zu unterstützen.


    Auf obiger Albumseite sind abgebildet: Carl Bosch, BASF (o. l.), Wilhelm Anton v. Riedemann, Deutsch-Amerikanische Petroleum Gesellschaft (o. r.), Hermann Röchling, Völklinger Hütte (u. l.), Georg Lübsen, Gutehoffnungshütte (u. r.)

     


     


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25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


Hier finden Sie am Jahresende alle bisher veröffentlichten Objekte zusammengefasst in einer Datei