• 25 Objekte aus dem Carl Bosch Museum
    zum 25-jährigen Jubiläum der Klaus Tschira Stiftung


    Dieses Jahr wird die Klaus Tschira Stiftung 25 Jahre alt. Das Carl Bosch Museum gratuliert zum Jubiläumsjahr mit der digitalen Präsentation von 25 ausgewählten Objekten aus der Dauerausstellung sowie Schätzen aus dem Archiv des Museums. Deren wissenschaftlichen Hintergrund möchten wir Ihnen hier in den kommenden Wochen prägnant und verständlich darstellen. Ab dem 15. Mai finden Sie die wunderbaren Objekte in lockerer Reihenfolge pointiert beschrieben hier auf unserer Internetseite. Unsere Schätze wurden dafür von Mitarbeitern und Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete, mit denen das Carl Bosch Museum im regen akademischen Austausch steht, ausgesucht und beschrieben. Erfahren Sie mehr über die Hochdrucktechnik, heimische Moose und viele andere große und kleine Kostbarkeiten des Museums. Kommen Sie mit uns auf eine abwechslungsreiche, informative Reise durch das Leben und die Zeit Carl Boschs!


     
    11.  FOTOGRAFIE: Carl Bosch zu Besuch bei Ernst Schwarz in den USA, 1934
    Fotopapier, Maße 25,9 x 20,3 cm



    Über den Anlass der elegant in Szene gesetzten Fotografie sind keine Informationen überliefert. Lediglich Carl Bosch sen. (1. v. l.), Ernst Schwarz (3. v. l.) sowie Carl Bosch jun. (5. v. l.) können identifiziert werden. Als Momentaufnahme kündet sie von der anhaltenden Verbundenheit Carl Boschs mit seinem langjährigen persönlichen Assistenten Ernst Schwarz (1884–1957).
    Ernst Schwarz, Chemiker und Jurist, Sohn eines Rabbi, trat 1910 in die damalige Badische Anilin- & Soda-Fabrik (heute BASF) in Ludwigshafen als Chemiker ein. Aufgrund großer Verdienste berief ihn Carl Bosch 1919 zu seinem persönlichen Assistenten, bald folgte die Ernennung zum Prokuristen und stellvertretenden Direktor. Ernst Schwarz war die rechte Hand Carl Boschs und sein Vertrauensmann. Im Laufe der Jahre wurde er auch Freund der Familie Bosch und verbrachte wiederholt gemeinsame Tage in deren Landhaus „Bergfrieden" im Schwarzwald.
    Aufgrund der politischen Situation und der Tatsache, dass Ernst Schwarz Jude war, emigrierte er bereits am 21.9.1933 an Bord der „New York" in die USA. Ab Mai 1934 stand er der Firma Agfa-Ansco in Binghamton, Bundesstaat New York, als deren Präsident vor. Dieses Tochterunternehmen der I.G. Farben versorgte den amerikanischen Markt mit Fotoapparaten und Filmmaterial. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Carl Bosch, der der NS-Rassenideologie ablehnend gegenüberstand, weiteren jüdischen Wissenschaftlern zur Flucht in die USA verhalf.
    Überliefert ist Ernst Schwarz' letzte gemeinsame Reise mit der Familie Bosch kurz vor seiner Emigration: Bei den Bayreuther Festspielen im Sommer 1933 besuchten sie eine Aufführung des „Parsifal" unter der Leitung von Richard Strauß. Letzterem war Ernst Schwarz, leidenschaftlicher Musik- und Opernliebhaber, freundschaftlich verbunden. An einen Aufenthalt in „Haus Bergfrieden" Pfingsten 1933 erinnert ein Brief, in dem sich Ernst Schwarz für die unbeschwerten, sorgenfreien Tage bedankt.
    Obige Fotografie entstand im Herbst 1934: Sie zeigt Carl Bosch und Ernst Schwarz, vermutlich während einer gemeinsamen Reise nach Kalifornien in den Filmstudios von Hollywood – sie ist mithin ein Dokument ihrer persönlichen Verbundenheit.


     



    Richard Strauß (2. v. l.) und Ernst Schwarz (3. v. l.) vor dem Feierabendhaus der BASF, 1929


     


     


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25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


Hier finden Sie am Jahresende alle bisher veröffentlichten Objekte zusammengefasst in einer Datei