• 25 Objekte aus dem Carl Bosch Museum
    zum 25-jährigen Jubiläum der Klaus Tschira Stiftung


    Dieses Jahr wird die Klaus Tschira Stiftung 25 Jahre alt. Das Carl Bosch Museum gratuliert zum Jubiläumsjahr mit der digitalen Präsentation von 25 ausgewählten Objekten aus der Dauerausstellung sowie Schätzen aus dem Archiv des Museums. Deren wissenschaftlichen Hintergrund möchten wir Ihnen hier in den kommenden Wochen prägnant und verständlich darstellen. Ab dem 15. Mai finden Sie die wunderbaren Objekte in lockerer Reihenfolge pointiert beschrieben hier auf unserer Internetseite. Unsere Schätze wurden dafür von Mitarbeitern und Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete, mit denen das Carl Bosch Museum im regen akademischen Austausch steht, ausgesucht und beschrieben. Erfahren Sie mehr über die Hochdrucktechnik, heimische Moose und viele andere große und kleine Kostbarkeiten des Museums. Kommen Sie mit uns auf eine abwechslungsreiche, informative Reise durch das Leben und die Zeit Carl Boschs!


     
    12. Albert Einsteins Eintrag im Gästebuch der Villa Bosch, 1926
    Papier, 18,2 x 14,3 cm



    Albert Einsteins Vers ist auf einer halben herausgetrennten Seite des Gästebuchs der Villa Bosch als Fragment überliefert. Heute, rund 100 Jahre später, rufen die Zeilen nicht nur den Besuch Einsteins bei Carl Bosch im März 1926* in dessen Heidelberger Villa in Erinnerung, sondern auch Einsteins Eindrücke von der BASF, von deren Industrieanlagen er sichtlich beeindruckt als „Arbeitslabyrinth“ und „Riesengeschöpf“ spricht. Einsteins Besuch in der BASF muss für alle Beteiligten ein außergewöhnliches Ereignis gewesen sein: Auf Einladung Carl Boschs hielt der allerorts gefeierte Nobelpreisträger am 1. und 2. März im Gesellschaftshaus der BASF für die Akademiker des Unternehmens je einstündige Vorträge über die Relativitätstheorie. Über die Vorträge ist nur eine einzige knappe Notiz eines BASF-Chronisten überliefert, ein Glücksfall: „Im Anschluss an diese Vorträge weist Bosch auf die ewige Gültigkeit wissenschaftlicher Probleme hin, im Gegensatz zu der ephemeren Bedeutung politischer Fragen“.
    Diese Äußerung ist beispielhaft für Carl Boschs Auffassung von Wissenschaft, die er als frei von ideologischen oder auch rassischen Grenzen verstand. Er glaubte an das Primat naturwissenschaftlicher Forschung gegenüber der Politik. Die Einladung Einsteins war mithin ein öffentliches Bekenntnis Boschs zur Relativitätstheorie – und damit zu Einstein selbst, der sich in dieser Zeit insbesondere von Vertretern der „Deutschen Physik“ schweren antisemitischen Anfeindungen gegenübersah.
    Dass Einstein die Einladung nach Ludwigshafen annahm, erfolgte wohl nicht zuletzt in Anerkennung der großen Verdienste von Bosch. Bereits 1919 kam er dem „Aufruf zur Albert-Einstein-Spende“ nach, der an die Vertreter der deutschen Industrie und Wirtschaft erging. Mit beachtlichen privaten Mitteln und Spenden der BASF unterstützte Bosch den Bau des Einsteinturms auf dem Potsdamer Telegrafenberg, ein Turmteleskop zur Sonnenforschung, das einen weiteren experimentellen Nachweis der Relativitätstheorie erbringen sollte. Die technische Ausstattung des Einsteinturms förderte er mit dem Bau eines Spektralofens aus den Laboren der BASF. Von 1922 an ist er Mitglied im Kuratorium der Einstein-Stiftung.
    Wie „ephemer“ die Politik in der realen Welt jedoch war, musste Carl Bosch spätestens 1933 erkennen, als sich Einstein und langjährige jüdische Weggefährten Boschs zur Emigration gezwungen sahen.


     


    Der Einsteinturm in Potsdam, von Erich Mendelsohn ab 1920 erbaut und 1924 eingeweiht, auch als „Denkmal der Relativitätstheorie“ bezeichnet. Foto: Astrophysikalisches Institut Potsdam


     


    * Der Gästebucheintrag ist irrtümlich mit Februar datiert, auch in Briefen Einsteins wird als Besuchsdatum der 1. und 2. März genannt.


     


     


     


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25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


Hier finden Sie am Jahresende alle bisher veröffentlichten Objekte zusammengefasst in einer Datei