• 25 Objekte aus dem Carl Bosch Museum
    zum 25-jährigen Jubiläum der Klaus Tschira Stiftung


    Dieses Jahr wird die Klaus Tschira Stiftung 25 Jahre alt. Das Carl Bosch Museum gratuliert zum Jubiläumsjahr mit der digitalen Präsentation von 25 ausgewählten Objekten aus der Dauerausstellung sowie Schätzen aus dem Archiv des Museums. Deren wissenschaftlichen Hintergrund möchten wir Ihnen hier in den kommenden Wochen prägnant und verständlich darstellen. Ab dem 15. Mai finden Sie die wunderbaren Objekte in lockerer Reihenfolge pointiert beschrieben hier auf unserer Internetseite. Unsere Schätze wurden dafür von Mitarbeitern und Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete, mit denen das Carl Bosch Museum im regen akademischen Austausch steht, ausgesucht und beschrieben. Erfahren Sie mehr über die Hochdrucktechnik, heimische Moose und viele andere große und kleine Kostbarkeiten des Museums. Kommen Sie mit uns auf eine abwechslungsreiche, informative Reise durch das Leben und die Zeit Carl Boschs!


     
    15. ZAPFSÄULE FÜR LEUNA-BENZIN
    Metall, Email, Glas, Höhe: 2,30 m (gekürzt), Baujahr 1936, 2001 erworben



    Die leuchtend rot-weiße Zapfsäule, von Weitem im Straßenbild zu erkennen, stand einst im Norden Berlins, im Ortsteil Wilhelmsruh. Ab 1936 versorgte sie Berliner Kraftfahrer mit Benzin der Marke Leuna, das der Tankstellenpächter Otto Säwert mit seiner Frau Fritzi für die Deutsche Gasolin AG vertrieb. Die Zapfsäule war Teil einer modernen Tankstelle mit Überdachung, Schmieröldienst, Wagenheber, Fernsprecher und Garagenstellplätzen. Der Tankwart pumpte das Benzin mit der handbetriebenen Flügelpumpe aus dem Bodentank in die je fünf Liter Benzin fassenden Glaszylinder. War einer der Zylinder vollgelaufen, konnte das Fahrzeug mit der Zapfpistole betankt werden, während der zweite Behälter weiter befüllt wurde.
    Insoweit reiht sich unsere Zapfsäule ein in das immer dichter werdende Netz von Tankstellen, die infolge des Motorisierungs-Booms ab den 1920er-Jahren landesweit rapide in großer Zahl entstanden – insbesondere in Berlin, pulsierende Großstadt und Taktgeber in Sachen Beschleunigung.
    Das Besondere jedoch lag im Kraftstoff – dem Leuna-Benzin.
    Dieses Benzin wurde synthetisch aus deutscher Braunkohle hergestellt und von der I.G. Farben 1927 auf den Markt gebracht. Damit konnte Benzin unabhängig von ausländischen Mineralölimporten produziert werden, verfügte Deutschland doch über enorme Kohlevorkommen, aber nur geringe Mengen Erdöl. Fortan stand das von der Deutschen Gasolin vertriebene „Deutsche Benzin" in Konkurrenz zum Benzin internationaler Konzerne wie Standard Oil (Esso) oder Royal Dutch (Shell). 1935 war das Leuna-Tankstellennetz auf 3300 Zapfsäulen angewachsen. Von der Entwicklung der sogenannten Benzinsynthese (Bergius-Pier-Verfahren) bis zur großtechnischen Produktion in den Leuna-Werken bei Merseburg war es ein steiniger Weg mit riesigen Investitionen.
    Die Weltwirtschaftskrise 1929 traf die IG Farben mit voller Wucht und die Entdeckung neuer Ölvorkommen in den USA führte zum Verfall des Weltmarktpreises für Benzin. Der ökonomische Druck auf das unwirtschaftliche Leuna-Benzin war immens, die Benzinsynthese stand vor dem Aus.
    Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten ging die I.G. Farben mit der neuen Regierung am 14. Dezember 1933 eine folgenschwere Verbindung ein: Im „Benzin-Vertrag" übernahm das NS-Regime für zehn Jahre Preis- und Absatzgarantien, im Gegenzug sicherte die I.G. den weiteren Ausbau ihrer Benzinproduktion zu. Der Vertrag markiert den Beginn der zunehmenden Verstrickung mit der Politik des NS-Regimes, welche das Leuna-Benzin mehr und mehr in den Dienst militärischer Aufrüstung stellte.


    Reklameschild für Leuna-Benzin, um 1930


     





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25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


Hier finden Sie am Jahresende alle bisher veröffentlichten Objekte zusammengefasst in einer Datei