• 25 Objekte aus dem Carl Bosch Museum
    zum 25-jährigen Jubiläum der Klaus Tschira Stiftung


    Dieses Jahr wird die Klaus Tschira Stiftung 25 Jahre alt. Das Carl Bosch Museum gratuliert zum Jubiläumsjahr mit der digitalen Präsentation von 25 ausgewählten Objekten aus der Dauerausstellung sowie Schätzen aus dem Archiv des Museums. Deren wissenschaftlichen Hintergrund möchten wir Ihnen hier in den kommenden Wochen prägnant und verständlich darstellen. Ab dem 15. Mai finden Sie die wunderbaren Objekte in lockerer Reihenfolge pointiert beschrieben hier auf unserer Internetseite. Unsere Schätze wurden dafür von Mitarbeitern und Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete, mit denen das Carl Bosch Museum im regen akademischen Austausch steht, ausgesucht und beschrieben. Erfahren Sie mehr über die Hochdrucktechnik, heimische Moose und viele andere große und kleine Kostbarkeiten des Museums. Kommen Sie mit uns auf eine abwechslungsreiche, informative Reise durch das Leben und die Zeit Carl Boschs!


     
    16. KJELDAHLKOLBEN
    Glas, 250 ml, Schott
    & Gen., Jena



    „So viel Aufwand für ein falsches Ergebnis und man weiß nie, woran es liegt! Ammoniak abgehauen, Titer falsch gestellt oder Einwaage versemmelt." Dieses oder Ähnliches mögen viele der älteren Chemiker und Laboranten auch noch im 20. Jahrhundert schon einmal am Anfang ihrer Ausbildung gedacht haben. Dennoch hat die Methode zur Bestimmung von Stickstoff nach Johan Kjeldahl schon 1883 den Einzug in die analytischen Laboratorien geschafft. Ganz entgegen der ein oder anderen negativen persönlichen Erfahrung ist sie bis heute nicht mehr aus denen der pharmazeutischen und chemischen Industrie sowie aus den Umwelt-, Nahrungs- und Agrarlabors wegzudenken.
    Anwendung fand der Kjeldahlkolben im Bereich der chemischen Analytik. Diese unterscheidet bei der Untersuchung der Zusammensetzung von Stoffen nach dem „was sind dies für Stoffe" und „wie viel davon" beinhaltet die Probe. Im Fachbegriff als qualitative und quantitative Analyse bezeichnet.
    Die Kjeldahl'sche Stickstoffbestimmung ist ein aufwendiges und mehrstufiges Prozedere, das die kleinste Unachtsamkeit ihres Anwenders nicht verzeiht. Um Auskunft über die Menge an Stickstoff bzw. Protein in einer Probe zu bekommen, wird diese nach genauer Einwaage (Gewicht der zu untersuchenden Probe) mittels Schwefelsäure im Kjeldahlkolben aufgeschlossen, sozusagen gekocht. Anschließend folgen Wasserdampfdestillation, Rücktitration und abschließend die Berechnung. Bei einer Titration wird zu der unbekannten Menge des zu bestimmenden Stoffes gerade die Menge eines ausgewählten Stoffes zugegeben, der zur vollständigen Reaktion der beiden Reaktionspartner erforderlich ist.
    Der dänische Chemiker Kjeldahl entwickelte im Labor der Brauerei Carlsberg dieses Analyseverfahren, um im Rahmen des Brauprozesses den Eiweißgehalt von Getreide festzustellen. Nachdem Carl Bosch 1913 die Möglichkeit der großtechnischen Herstellung von mineralischem, stickstoffhaltigem Dünger ermöglicht hatte, wurde es auch in diesem Bereich wichtig, Grundlagen zum Nutzen der chemischen Industrie zu erforschen. Im Jahr 1914 ließ Bosch deshalb eine landwirtschaftliche Versuchsstation für die BASF einrichten, den Limburgerhof. Dieser arbeitete eng mit den Oppauer Laboratorien zusammen. Sowohl durch Feldversuche als auch durch die Nutzung und Weiterentwicklung analytischer Messmethoden wie der Kjeldahl'schen Stickstoffbestimmung wurden in kurzer Zeit effektiv die Vor- und Nachteile der verschiedenen Düngemittel erprobt. Die Feststellung der Wirkstoffgehalte legte den Preis der zu verkaufenden Gebinde fest. Der wirtschaftliche Erfolg der BASF im Bereich der Pflanzennahrung und später auch des Pflanzenschutzes nahm seinen Lauf.
    Auch heute findet der „Kjeldahl" noch seine Anwendung, allerdings muss sich kein Laborangestellter mehr mit den benannten Widrigkeiten herumärgern. Teil- und vollautomatisierte Geräte vereinfachen und beschleunigen diese Bestimmungsmethode.


     


     Foto: Aufschluss mit Schwefelsäure im Kjeldahlkolben





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25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


Hier finden Sie am Jahresende alle bisher veröffentlichten Objekte zusammengefasst in einer Datei