• 25 Objekte aus dem Carl Bosch Museum
    zum 25-jährigen Jubiläum der Klaus Tschira Stiftung


    Dieses Jahr wird die Klaus Tschira Stiftung 25 Jahre alt. Das Carl Bosch Museum gratuliert zum Jubiläumsjahr mit der digitalen Präsentation von 25 ausgewählten Objekten aus der Dauerausstellung sowie Schätzen aus dem Archiv des Museums. Deren wissenschaftlichen Hintergrund möchten wir Ihnen hier in den kommenden Wochen prägnant und verständlich darstellen. Ab dem 15. Mai finden Sie die wunderbaren Objekte in lockerer Reihenfolge pointiert beschrieben hier auf unserer Internetseite. Unsere Schätze wurden dafür von Mitarbeitern und Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete, mit denen das Carl Bosch Museum im regen akademischen Austausch steht, ausgesucht und beschrieben. Erfahren Sie mehr über die Hochdrucktechnik, heimische Moose und viele andere große und kleine Kostbarkeiten des Museums. Kommen Sie mit uns auf eine abwechslungsreiche, informative Reise durch das Leben und die Zeit Carl Boschs!


     
    17. RICHARD ALBITZ: STICKSTOFFWERK IN KUROSAKI, JAPAN
    Öl auf Leinwand, 101,5 x 79 x 5,5 cm (gerahmt), um 1939, Schenkung 2004



    Wie kam es, dass der Berliner Landschaftsmaler Richard Albitz (1876–1954) ein Stickstoffwerk im japanischen Kurosaki im Bild festhielt? Sein Industriegemälde hat eine äußerst spannende Geschichte zu erzählen – die der internationalen Handelskontakte der I.G. Farben mit Japan während der Zwischenkriegsjahre. Aber auch eine ganz persönliche Geschichte.
    Die Stickstofffabrik wurde ab 1936 im Auftrag des Chemieunternehmens Nippon Tar Kogyo im Norden Kyushus an einer Meeresbucht errichtet. Sie sollte nach dem Haber-Bosch-Verfahren jährlich 80.000 Tonnen des Düngesalzes Ammonsulfat produzieren. Das Werk in Kurosaki war damit eines von fünf japanischen Stickstoffwerken, das Ende der 1930er-Jahre erstmals nach dem in Japan hochgeschätzten Haber-Bosch-Verfahren produzieren durfte. Stand die I.G. Farben Anfragen seitens Japans nach Technologietransfer bisher ablehnend gegenüber, änderte sie nun ihre Strategie. Grund dafür waren einerseits rückläufige Exportzahlen infolge des Erstarkens der chemischen Industrie in Japan, die ihren Bedarf nun zunehmend selbst decken konnte, und andererseits protektionistische Maßnahmen der japanischen Regierung. Die I.G. begann neben ihrem wichtigsten Exportprodukt, dem Stickstoffdünger, nicht mehr nur das Endprodukt, sondern japanischen Firmen nun auch ihre Technologie zur Herstellung desselben unter Lizenz anzubieten und exportierte vollständige Fabriken. Die Lizenzvereinbarungen sahen vor, dass die Planung einer Fabrik bis zu ihrem Anfahren von Ingenieuren und Chemikern der I.G. Farben auszuführen war.
    Hier beginnt die persönliche Geschichte unseres Gemäldes. Karl Braus trat als promovierter Chemiker 1928 in die BASF, dort in das neuerbaute Ammoniaklaboratorium ein. 1937 wurde er nach Japan abbestellt, um an der Errichtung der Fabrik in Kurosaki mitzuwirken. Überliefert sind sowohl seine Reiseeindrücke wie seine Erinnerungen an eine entbehrungsreiche Zeit mit großen beruflichen Herausforderungen. Während der Inbetriebnahme traten „schwere Störungen auf", der leitende „Oberingenieur Steinle warf die Flinte ins Korn" und Karl Braus übernahm die Verantwortung, „das Werk auf Leistung und zur Abnahme zu bringen". Dies glückte ihm im Februar 1939 – eine Meisterleistung! Den Moment hielt er in einer Fotografie fest.
    Das Foto bildet dann die Vorlage für Richard Albitz, der im Auftrag von Karl Braus die Ansicht des Stickstoffwerks in Kurosaki malte. Albitz dokumentierte die Fabrik mit ihren Alkacid-Waschtürmen streng nach Vorlage mit großer Präzision. Er nahm sich die künstlerische Freiheit, die Fabrik unter Dampf zu setzen, die Arbeiter entgegen der Vorlage in traditioneller Kleidung mit Kegelhut abzubilden oder einen Pferdekarren ins Bild zu nehmen. Mit diesen pittoresken Details hauchte er der Fabrik exotisiertes japanisches Leben ein.



     Die vollendete Stickstofffabrik, von Karl Braus im Foto festgehalten und beschriftet.


     


    ← zum sechzehnten Objekt     zum achtzehnten Objekt →      


     

 


25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


Hier finden Sie am Jahresende alle bisher veröffentlichten Objekte zusammengefasst in einer Datei