• 25 Objekte aus dem Carl Bosch Museum
    zum 25-jährigen Jubiläum der Klaus Tschira Stiftung


    Dieses Jahr wird die Klaus Tschira Stiftung 25 Jahre alt. Das Carl Bosch Museum gratuliert zum Jubiläumsjahr mit der digitalen Präsentation von 25 ausgewählten Objekten aus der Dauerausstellung sowie Schätzen aus dem Archiv des Museums. Deren wissenschaftlichen Hintergrund möchten wir Ihnen hier in den kommenden Wochen prägnant und verständlich darstellen. Ab dem 15. Mai finden Sie die wunderbaren Objekte in lockerer Reihenfolge pointiert beschrieben hier auf unserer Internetseite. Unsere Schätze wurden dafür von Mitarbeitern und Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete, mit denen das Carl Bosch Museum im regen akademischen Austausch steht, ausgesucht und beschrieben. Erfahren Sie mehr über die Hochdrucktechnik, heimische Moose und viele andere große und kleine Kostbarkeiten des Museums. Kommen Sie mit uns auf eine abwechslungsreiche, informative Reise durch das Leben und die Zeit Carl Boschs!


     
    19. REKLAMESCHILD CERESAN
    Blech, lithographiert, 90 x 60 cm, 1930er-Jahre, Bayer / I.G. Farben



    Das großformatige Reklameschild begrüßt die Besucher im Eingangsbereich des Carl Bosch Museums auf besondere Weise: Eine zufrieden lächelnde, kernige Bäuerin mit rosigen Wangen blickt uns entgegen, in den Armen hält sie fast liebevoll ein Bündel Roggenähren, die goldfarben leuchten. Mit ihrer „gesunden Ernte" wirbt sie für Ceresan, mit dem Landwirte ihre Getreidesaat vor dem Aussäen beizen konnten. Die Getreidebeize schützte die Pflanze vor Pilzbefall und anderen Schaderregern, ohne dabei das Getreide zu schädigen.
    Das quecksilberhaltige Ceresan kam 1929 als Trockenbeize und wenig später als Nassbeize auf den Markt, entwickelt wurde es von der Abteilung Pflanzenschutz der Bayer-Werke in Leverkusen. Ein Geschäftsfeld, auf das sich Bayer neben der Farbstoffchemie und pharmazeutischen Produkten ab Mitte der 1920er-Jahre verstärkt und mit großem Erfolg verlegte. Ceresan löste deren bisheriges Erfolgsprodukt Uspulun ab, eine 1914 eingeführte Nassbeize, die sich insbesondere während der kriegsbedingten Lebensmittelknappheit als sicherer Ernteschutz bewährte. Im Unterschied zum aufwendigeren Nassbeizen mit längeren Trocknungsphasen des Saatguts musste dieses beim Trockenbeizverfahren nur in die Beiztrommel gegeben und unter Drehen mit dem Beizpulver vermischt werden. Um gebeiztes Saatgut kenntlich zu machen, wurde es zum Schutz vor Verwechslung mit leuchtenden Farben angefärbt. Dem neuen, wirkungsstärkeren Ceresan war großer wirtschaftlicher Erfolg beschieden, auch als Exportartikel: Mit Ceresan gebeiztes Saatgut, so eine frühe Werbebotschaft, mache sich bezahlt! Auf dem Land entstanden Lohn-Beizstellen, die das Beizen des Saatguts professionell durchführten und die Landwirte entlasteten. Im Jahr 1937 waren bereits 80 Prozent des ausgesäten Weizens gebeizt. Ein Erfolg, zu dem die umfassende Werbestrategie von Bayer beitrug, wie unser Reklameschild belegt. Auch der Produktname Ceresan war klug gewählt, denn er führte die römische Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit, Ceres, im Namen.
    Für die Gestaltung beauftragten die Bayer-Werke, die seit 1925 durch Fusion in der I.G. Farben aufgegangen waren, den Maler, Grafiker und Fotografen René Ahrlé. Er malte seine Ceres in Gestalt einer Bäuerin, die dem Himmel entstiegen scheint. Wie die römische Göttin ist sie mit dem Attribut der Ährengarbe ausgestattet und hat weizenblondes Haar. Vielleicht verkörpert sie auch – dem Zeitgeist entsprechend – das Ideal der fruchtbaren deutschen Frau. Anders als bei Ceres sind es jedoch nicht die göttlichen Kräfte, die für Fruchtbarkeit und eine reiche Ernte sorgen, sondern die der chemischen Industrie.


     

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25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


Hier finden Sie am Jahresende alle bisher veröffentlichten Objekte zusammengefasst in einer Datei