• 25 Objekte aus dem Carl Bosch Museum
    zum 25-jährigen Jubiläum der Klaus Tschira Stiftung


    Dieses Jahr wird die Klaus Tschira Stiftung 25 Jahre alt. Das Carl Bosch Museum gratuliert zum Jubiläumsjahr mit der digitalen Präsentation von 25 ausgewählten Objekten aus der Dauerausstellung sowie Schätzen aus dem Archiv des Museums. Deren wissenschaftlichen Hintergrund möchten wir Ihnen hier in den kommenden Wochen prägnant und verständlich darstellen. Ab dem 15. Mai finden Sie die wunderbaren Objekte in lockerer Reihenfolge pointiert beschrieben hier auf unserer Internetseite. Unsere Schätze wurden dafür von Mitarbeitern und Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete, mit denen das Carl Bosch Museum im regen akademischen Austausch steht, ausgesucht und beschrieben. Erfahren Sie mehr über die Hochdrucktechnik, heimische Moose und viele andere große und kleine Kostbarkeiten des Museums. Kommen Sie mit uns auf eine abwechslungsreiche, informative Reise durch das Leben und die Zeit Carl Boschs!


     
    2. HABER-BOSCH-ANLAGE
    Stahl, Teile einer Industrieanlage, 20. Jahrhundert



    Dank Carl Bosch (1874-1940) gelang es, im wahrsten Sinne des Wortes Luft in Essen zu verwandeln. Fachleute schätzen, dass fast die Hälfte der heutigen Menschheit sonst verhungern müsste. Doch wie funktioniert das?
    Jedes Lebewesen benötigt Stickstoff, der in der Luft reichlich vorkommt. Sie besteht sogar zum größten Teil aus ihm. Nur leider kann er nicht als Nährstoff aufgenommen werden. Das ist erst dann möglich, wenn der Luft-Stickstoff sich mit einem anderen Stoff verbindet.
    In einer Haber-Bosch-Anlage, oder genauer in ihrem Reaktor, geschieht genau das. Mithilfe eines Katalysators, Temperaturen bis zu 520 °C und hohem Druck bis zu 300 bar verbindet sich dort Luft-Stickstoff mit Wasserstoffgas. So entsteht Ammoniak, das zu nahrhaftem Stickstoff-Dünger weiterverarbeitet wird. Und dieser Dünger steigert enorm die weltweiten Ernteerträge. Erfunden wurde diese Methode 1907 von Fritz Haber (1868-1934), der dafür 1918 den Nobelpreis erhielt. Doch seine Versuchsanlage passte auf einen Tisch und ihre Produktion hätte höchstens einige Blumentöpfe düngen können.
    Carl Bosch brauchte Jahre, um große Industrieanlagen nach Habers Vorbild zu bauen: Der Katalysator (Osmium) war zu selten und zu teuer, es musste ein anderer gefunden werden (mehr dazu in einem folgenden Artikel). Zudem wirkt der hohe Druck so, als würden 300 kg auf der Fläche des kleinen Fingernagels lasten. Die ersten großen Reaktoren platzten und es galt, alternative Stahlkonstruktionen zu finden. Auch Pumpen, Dichtungen und Messgeräte für solchen Druck mussten neu entwickelt werden. 1913 funktionierte die erste Industrieanlage, und fortan eröffnete die Hochdrucktechnik neue Möglichkeiten. Sie ließ sich nicht nur zur lebenswichtigen Dünger-, sondern auch zur kriegswichtigen Sprengstoffherstellung nutzen. Ebenso würde es viele Kunststoffe und andere Chemieprodukte ohne Hockdrucktechnik nicht geben.
    Für seine Leistungen erhielt Carl Bosch 1931 den Nobelpreis.


     


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25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


Hier finden Sie am Jahresende alle bisher veröffentlichten Objekte zusammengefasst in einer Datei