• 25 Objekte aus dem Carl Bosch Museum
    zum 25-jährigen Jubiläum der Klaus Tschira Stiftung


    Dieses Jahr wird die Klaus Tschira Stiftung 25 Jahre alt. Das Carl Bosch Museum gratuliert zum Jubiläumsjahr mit der digitalen Präsentation von 25 ausgewählten Objekten aus der Dauerausstellung sowie Schätzen aus dem Archiv des Museums. Deren wissenschaftlichen Hintergrund möchten wir Ihnen hier in den kommenden Wochen prägnant und verständlich darstellen. Ab dem 15. Mai finden Sie die wunderbaren Objekte in lockerer Reihenfolge pointiert beschrieben hier auf unserer Internetseite. Unsere Schätze wurden dafür von Mitarbeitern und Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete, mit denen das Carl Bosch Museum im regen akademischen Austausch steht, ausgesucht und beschrieben. Erfahren Sie mehr über die Hochdrucktechnik, heimische Moose und viele andere große und kleine Kostbarkeiten des Museums. Kommen Sie mit uns auf eine abwechslungsreiche, informative Reise durch das Leben und die Zeit Carl Boschs!


     
    20. MARIO VON BUCOVICH: PORTRÄTS VON ELSE UND CARL BOSCH
    Fotopapier, 14,4 x 20 cm und 16 x 21 cm, signiert, um 1928



    Aus dem Berlin der Goldenen Zwanziger haben sich diese beiden Porträtaufnahmen von Carl Bosch (1874–1940) und seiner Frau Else Bosch (1880–1965) erhalten. Sie saßen Modell im Atelier des Fotografen Mario von Bucovich, der von 1925 bis 1930 ein Fotostudio in der Budapester Straße am Kurfürstendamm, seinerzeit bürgerliche Flaniermeile und Treffpunkt der künstlerischen Avantgarde, unterhielt.
    Der Biographie des Baron Mario von Bucovich, geboren 1884 im österreichisch-ungarischen Pola (heute Pula, Kroatien), haftet bis heute etwas Enigmatisches an. Als Wanderer und Fotograf zwischen den Welten war sein Lebensweg ein Abbild der Verwerfungen des 20. Jahrhunderts. 1931 emigrierte er zunächst nach Paris, dann nach Spanien, schließlich gelangte er über London und die USA nach Mexiko, wo er 1947 verstarb. Ebenso verschlungene Wege führten ihn 1922 nach Berlin, wo er sich als Amateur Kenntnisse der Fotografie erwarb, 1925 das berühmte Atelier Schenker übernahm und sich vor allem mit Porträtaufnahmen weiblicher Filmstars, darunter Marlene Dietrich, Tänzerinnen und Prominenter einen Namen als Glamour-Fotograf machte. Seine Fotografien waren in den führenden Blättern der illustrierten Presse vertreten, berühmt machten ihn seine auch dem Neuen Sehen verpflichteten Bildbände über Berlin und Paris, doch von Bucovich selbst fehlt fast jede Spur, wie Carl Bosch suchte er nicht die Öffentlichkeit.
    Die Lebenswege von Carl Bosch, ab 1925 mächtigster Mann der I.G. Farben, und Mario von Bucovich kreuzten sich in der pulsierenden Weltstadt Berlin, aber auch in Heidelberg und Oppau. Überliefert sind zwei stimmungsvolle, mit Widmungen versehene Aufnahmen des Oppauer Ammoniakwerks sowie Fotografien der Villa Bosch. Möglich ist, dass die persönliche Beziehung aus der Tätigkeit Bucovichs für die Agfa – ab 1925 ebenfalls Teil der I.G. Farben – als Werbegrafiker herrührte. Auch Carl Boschs Passion für das Medium Fotografie – er besaß eine Dunkelkammer und betrieb Astrofotografie – mag ihn für die künstlerische Arbeit Bucovichs begeistert haben. Sein Sohn Carl Bosch jun. studierte 1928 in Berlin und hielt sich in dessen Atelier in seiner Freizeit auf, um sich fotografisch weiterzubilden.
    Für die private Studioaufnahme ließ sich Else Bosch, möglicherweise auf Wunsch Bucovichs, in eleganter Wintergarderobe mit Pelzmantel und modischem Topfhut ganz im Stil der Weimarer Zeit porträtieren. Bucovichs Kamera hielt sie im Dreiviertelprofil mit zaghaftem Lächeln fest. Carl Boschs Oberkörper, im dunklen dreiteiligen Anzug, füllt hingegen die ganze Bildbreite aus, er blickt mit ernster, nachdenklicher Mine den Betrachter direkt an. Bucovich fertigte einerseits klassische repräsentative Bildnisse des Ehepaares Bosch, die ihre gehobene gesellschaftliche Stellung widerspiegeln, aber zugleich gelang es ihm, ihre natürlichen Züge authentisch zum Leben zu erwecken.


    Leseempfehlung: Eckhardt Köhn, „Ich bin teuer." Wer war Baron Mario von Bucovich?, Edition Luchs 2014.


     

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25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


Hier finden Sie am Jahresende alle bisher veröffentlichten Objekte zusammengefasst in einer Datei