• 25 Objekte aus dem Carl Bosch Museum
    zum 25-jährigen Jubiläum der Klaus Tschira Stiftung


    Dieses Jahr wird die Klaus Tschira Stiftung 25 Jahre alt. Das Carl Bosch Museum gratuliert zum Jubiläumsjahr mit der digitalen Präsentation von 25 ausgewählten Objekten aus der Dauerausstellung sowie Schätzen aus dem Archiv des Museums. Deren wissenschaftlichen Hintergrund möchten wir Ihnen hier in den kommenden Wochen prägnant und verständlich darstellen. Ab dem 15. Mai finden Sie die wunderbaren Objekte in lockerer Reihenfolge pointiert beschrieben hier auf unserer Internetseite. Unsere Schätze wurden dafür von Mitarbeitern und Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete, mit denen das Carl Bosch Museum im regen akademischen Austausch steht, ausgesucht und beschrieben. Erfahren Sie mehr über die Hochdrucktechnik, heimische Moose und viele andere große und kleine Kostbarkeiten des Museums. Kommen Sie mit uns auf eine abwechslungsreiche, informative Reise durch das Leben und die Zeit Carl Boschs!


     
    21. MAYBACH SW 38
    Schwingachswagen (SW), 6-Zylinder-Motor, 140 PS, Baujahr 1936




    Unter den vielfältigen Fahrzeugen im einstigen Besitz von Carl Bosch, Ausdruck seiner Passion für Automobile, ragen drei ganz besonders heraus: die der Marke Maybach. Seinerzeit Automobile der Superlative von höchster Exklusivität. Die Maybach-Motorenbau GmbH in Friedrichshafen, benannt nach ihren genialen Konstrukteuren Wilhelm und Karl Maybach, produzierte in den Jahren von 1921 bis 1941 nur rund 2300 dieser legendären Fahrzeuge. Dass Carl Bosch Ende der 30er-Jahre drei davon besaß, darf als eine absolute Seltenheit angesehen werden, so Rudolf Wolf in seinem Buch ‚Maybach-Motoren und -Automobile'.
    Unser fahrtüchtiger Museums-Maybach vom Typ SW 38, das vorletzte von Maybach produzierte Modell von 1936, steht stellvertretend für ‚seine Maybachs' und ein Stück einzigartiger Automobil-Geschichte in Heidelberg. Das leichtgängige 5-Gang-Getriebe ermöglicht auch heute noch komfortables Reisen selbst bei Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h, bis zu sieben Personen können im Fahrzeug Platz nehmen.
    Carl Bosch erwarb seinen ersten Maybach vom Typ W 5 im Jahr 1927 in der Ausstattung eines 4-Fenster-Cabriolets. Er diente ihm sowohl als ‚fahrbares Büro' auf seinem täglichen Weg zur BASF nach Ludwigshafen oder in die I.G. Farben Firmenzentrale nach Frankfurt, aber auch als Reisemobil für zahlreiche Erholungsfahrten in die Alpen, häufig ins Oberengadin nach St. Moritz und sogar bis Sizilien. Für das Jahr 1937 ist der Kauf des legendären Maybach Zeppelin DS 8 überliefert, der damals exklusivsten aller in Deutschland gefertigten Limousinen, ausgestattet mit einem 8-Liter-12-Zylinder-Motor und 200 PS Fahrleistung. Karl Haitz, langjähriger Chauffeur von Bosch, beschreibt das Fahrgefühl schwärmerisch: „wie im Himmelbett". Mit seiner ausgeklügelten Federung sei er gelaufen „wie ein D-Zug". Um in die Raffinessen der Technik eingeführt zu werden, erfolgte eine mehrtägige Einweisung des Chauffeurs im Friedrichshafener Werk.
    Automobile der Luxusklasse waren keine Stangenware. Maybach fertigte ausschließlich Fahrgestelle, die Karosserie wurde exklusiv nach Kundenwünschen in der Karosseriefabrik, hier die Fa. Spohn in Ravensburg, gefertigt. „Geheimrat Bosch wollte hinten Liegesitze, also wurde eine geteilte Rückbank eingebaut", so Haitz, er selbst wünschte sich leichter zu reinigende Ledersitze. Der Zeppelin, eine schwarze Limousine, war zusätzlich mit einem freistehenden Koffer auf einer Kofferbrücke ausgestattet. Vermutlich war der hohe Benzinverbrauch von 28 l/100 km Grund dafür, dass im September 1939 an Carl Bosch der wirtschaftlichere, ebenso höchsten Ansprüchen genügende Maybach SW 42 ausgeliefert wurde, mit dem er Anfang 1940 in seinem letzten Lebensjahr noch einmal nach Sizilien aufbrach.



    Chauffeur Karl Haitz vor dem Maybach W5 in einer Hochgebirgslandschaft


     

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25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


Hier finden Sie am Jahresende alle bisher veröffentlichten Objekte zusammengefasst in einer Datei