• 25 Objekte aus dem Carl Bosch Museum
    zum 25-jährigen Jubiläum der Klaus Tschira Stiftung


    Dieses Jahr wird die Klaus Tschira Stiftung 25 Jahre alt. Das Carl Bosch Museum gratuliert zum Jubiläumsjahr mit der digitalen Präsentation von 25 ausgewählten Objekten aus der Dauerausstellung sowie Schätzen aus dem Archiv des Museums. Deren wissenschaftlichen Hintergrund möchten wir Ihnen hier in den kommenden Wochen prägnant und verständlich darstellen. Ab dem 15. Mai finden Sie die wunderbaren Objekte in lockerer Reihenfolge pointiert beschrieben hier auf unserer Internetseite. Unsere Schätze wurden dafür von Mitarbeitern und Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete, mit denen das Carl Bosch Museum im regen akademischen Austausch steht, ausgesucht und beschrieben. Erfahren Sie mehr über die Hochdrucktechnik, heimische Moose und viele andere große und kleine Kostbarkeiten des Museums. Kommen Sie mit uns auf eine abwechslungsreiche, informative Reise durch das Leben und die Zeit Carl Boschs!


     
    22. FOTOGRAFIE: MONTAGE DES 300 MM-FERNROHRS IN CARL BOSCHS STERNWARTE, 1927
    Glasplatte, 14,9 x 9,8 cm



    August Kern, Obergärtner im Anwesen der Villa Bosch, bannte in einer Serie von Pflanzen- und Gartenaufnahmen auch ein besonderes Ereignis auf Glasplatte: Die von Carl Bosch langersehnte Anlieferung des großen 300 mm-Refraktors für seine neuerbaute Privatsternwarte. Die Firma Carl Zeiss in Jena lieferte das Fernrohr zusammen mit weiteren optischen Geräten am 10. Januar 1927 in Heidelberg an, nachdem die Sternwarte mit ihrer hölzernen 8-Meter-Kuppel bereits im Jahr zuvor fertiggestellt war. Auf dem Foto ist Carl Bosch selbst mit Pfeife in der Kuppel links zu sehen, neben ihm der Astrophysiker Erwin Finlay Freundlich. Dass es sich Carl Bosch nicht nehmen ließ an Einbau und Montage des Fernrohrs mitzuwirken, überrascht nicht. Erwin F. Freundlich, Leiter des Einstein-Instituts in Potsdam, stand ihm bei der Planung und Ausstattung der Sternwarte zur Seite. Beide Männer verband seit Jahren die Leidenschaft für Astronomie und die Theorie Einsteins. Freundlich rief Ende 1919 zur „Albert-Einstein-Spende" auf, die den Bau eines Turmteleskops für die weitere experimentelle Bestätigung der Relativitätstheorie ermöglichen sollte – ein Aufruf, den Bosch als Mitglied im Kuratorium der Einstein-Stiftung mit erheblichen Mitteln förderte (siehe Objekt 12).
    Carl Boschs Begeisterung für die Astronomie schlägt sich bereits im August 1919 mit dem Bau einer ersten Sternwarte im Garten der zukünftigen Villa Bosch nieder, ausgestattet mit einem 110 mm-Fernrohr. 1924 erfüllte er sich den Wunsch nach einem leistungsstärkeren Teleskop: Im Juli gibt er bei Carl Zeiss eine Bestellung über den 300 mm-Refraktor mit 5 m Brennweite auf, samt zweier weiterer Fernrohre und Astro-Kamera, elektrisch betriebener Hebebühne und Kuppel. Für eine Privatsternwarte eine Ausstattung der Superlative, die Kosten beliefen sich auf die enorme Summe von 67.460 Goldmark. Mit Unterstützung des Physik-Studenten Bernhard Timm, den Bosch ab 1928 als Assistenten für seine Sternwarten beschäftigte, entstanden zahlreiche Astroaufnahmen wie die unserer Nachbargalaxie Andromedanebel, die in der eigenen Dunkelkammer entwickelt wurden.
    Carl Bosch blieb zeitlebens Förderer der Astronomie, ob in der Entwicklung von Teleskopspiegeln in der BASF in den 1920er-Jahren oder als Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und Befürworter der Gründung eines Kaiser-Wilhelm-Instituts für Astronomie mit Sternwarte. Letzteres sollte 1969 auf dem Heidelberger Königstuhl unter deren Nachfolgeorganisation, der Max-Planck-Gesellschaft, realisiert werden.
    In dieser Zeit bahnbrechender astronomischer Erkenntnisse – mit dem Nachweis von Galaxien außerhalb unserer eigenen und der Gewissheit eines expandierenden Universums – verbrachte Carl Bosch viele Nächte in seiner Sternwarte mit dem Beobachten des Nachthimmels: Gewiss waren die Ludwigshafener Fabrik und die I.G. Farben in diesen sternklaren Nächten himmelweit entfernt und eine größere, erhabenere Welt tat sich auf.


    Hinweis: Carl Boschs Teleskop und die Kuppel gelangten 1955 an die neuerrichtete Sternwarte der Universität Tübingen, die heute von der Astronomischen Vereinigung Tübingen e.V. betreut wird und für Sternführungen besucht werden kann


     


     

    ← zum einundzwanzigsten Objekt     zum dreiundzwanzigsten Objekt →      


     

 


25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


Hier finden Sie am Jahresende alle bisher veröffentlichten Objekte zusammengefasst in einer Datei