• 25 Objekte aus dem Carl Bosch Museum
    zum 25-jährigen Jubiläum der Klaus Tschira Stiftung


    Dieses Jahr wird die Klaus Tschira Stiftung 25 Jahre alt. Das Carl Bosch Museum gratuliert zum Jubiläumsjahr mit der digitalen Präsentation von 25 ausgewählten Objekten aus der Dauerausstellung sowie Schätzen aus dem Archiv des Museums. Deren wissenschaftlichen Hintergrund möchten wir Ihnen hier in den kommenden Wochen prägnant und verständlich darstellen. Ab dem 15. Mai finden Sie die wunderbaren Objekte in lockerer Reihenfolge pointiert beschrieben hier auf unserer Internetseite. Unsere Schätze wurden dafür von Mitarbeitern und Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete, mit denen das Carl Bosch Museum im regen akademischen Austausch steht, ausgesucht und beschrieben. Erfahren Sie mehr über die Hochdrucktechnik, heimische Moose und viele andere große und kleine Kostbarkeiten des Museums. Kommen Sie mit uns auf eine abwechslungsreiche, informative Reise durch das Leben und die Zeit Carl Boschs!


     
    23. FAHLERZ (Tetraedrit-Kristalle)
    aus der Grube Altenberg / Siegerland, Deutschland, von Carl Bosch 1904 erworben, 4,1 x 3,7 cm


    Beitrag von Dr. Jörg Liebe, Leiter der Bezirksgruppe Pfalz der VFMG (Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie e.V.)



    Carl Bosch war im Rahmen seiner vielfältigen naturwissenschaftlichen Interessen auch ein begeisterter Sammler von Mineralien. Im Laufe seines Lebens trug er über 25.000 Stücke zusammen, sowie ca. 3000 Edelsteine und 600 Meteoriten, durch eigenes Aufsammeln, aber bevorzugt durch Ankäufe. Aufbewahrt wurde die Sammlung in 38 großen Eichenholzschränken in seinem Sammlungsgebäude, dem „Haus der Sammlungen“ neben der Villa Bosch.
    Diese kleine Stufe mit scharfen, mm-großen hochglänzenden Tetraedrit-Kristallen stammt aus dem alten Bergbaurevier von Müsen im Siegerland, einem der klassischen deutschen Bergbaureviere. Die Fahlerze waren wichtige Silberträger im Fördergut des Müsener Reviers, das ansonsten aus Siderit (Eisenspat), Bleiglanz und Zinkblende bestand. Die Grube Altenberg gehört zu den ältesten Gruben des Reviers. Die erste urkundliche Erwähnung ist für 1571 belegt, stillgelegt wurde die Grube 1914.
    Bosch kaufte das Stück am 10.05.1904 für 30 Reichsmark, damals eine stolze Summe. Der Kaufpreis kann dem Buchstabencode auf der Rückseite seines Original-Etiketts entnommen werden. Das Code-Wort Boschs war „amblygonit“, ein seltenes Lithium-Mineral, und jeder Buchstabe stand für eine der Zahlen von 1 bis 0, d.h. „bt“ steht für „30“.
    Die gesamte mineralogische Sammlung Boschs wurde nach seinem Tod vom Sohn, Dr. Carl Bosch jr., 1951 nach USA gebracht, zunächst als Leihgabe zur Yale Universität, und letztendlich 1968 für ca. 180.000 US$ an das Smithsonian National Museum of Natural History in Washington/D.C. verkauft. Der Wert der gesamten Sammlung war vorher von einem Experten auf 400.000 US$ geschätzt worden. Aus heutiger Sicht war das ein Schnäppchen, mehrere hundert Stücke hatten absolute Ausstellungsqualität. Ein großer Teil der Edelsteinsammlung ging leider während des Transports nach USA verloren. Im Smithsonian wurde die Sammlung nicht als Ganzes erhalten, sondern erneut katalogisiert und dann in den vorhandenen Bestand integriert. Etliche Prachtstücke befinden sich in der öffentlich zugänglichen Schausammlung und können dort heute bewundert werden; sie tragen alle ein „B“ vor der Inventarnummer. Doubletten gingen in den Tauschverkehr, und so kommen gelegentlich Stücke auf den Markt. Dieses Stück Fahlerz konnte 2018 erworben werden und wurde dem Carl Bosch Museum geschenkt. Aufgrund der genauen Angaben auf dem Etikett ließ sich das Stück im Bosch-Katalog des Smithsonian Museums identifizieren.



    Die originalen Sammlungsetiketten von Carl Bosch (Vorder- und Rückseite) und Smithsonian Museum.


     


     


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25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


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