• 25 Objekte aus dem Carl Bosch Museum
    zum 25-jährigen Jubiläum der Klaus Tschira Stiftung


    Dieses Jahr wird die Klaus Tschira Stiftung 25 Jahre alt. Das Carl Bosch Museum gratuliert zum Jubiläumsjahr mit der digitalen Präsentation von 25 ausgewählten Objekten aus der Dauerausstellung sowie Schätzen aus dem Archiv des Museums. Deren wissenschaftlichen Hintergrund möchten wir Ihnen hier in den kommenden Wochen prägnant und verständlich darstellen. Ab dem 15. Mai finden Sie die wunderbaren Objekte in lockerer Reihenfolge pointiert beschrieben hier auf unserer Internetseite. Unsere Schätze wurden dafür von Mitarbeitern und Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete, mit denen das Carl Bosch Museum im regen akademischen Austausch steht, ausgesucht und beschrieben. Erfahren Sie mehr über die Hochdrucktechnik, heimische Moose und viele andere große und kleine Kostbarkeiten des Museums. Kommen Sie mit uns auf eine abwechslungsreiche, informative Reise durch das Leben und die Zeit Carl Boschs!


     
    4. GROSSES MAUSSCHWANZMOOS
    1917 von Carl Bosch in Heidelberg-Schlierbach am Rombachweg gesammelt


    Beitrag von Dr. Gerhard Winter, Forschungsinstitut Senckenberg, Frankfurt



    Das Große Mausschwanzmoos (heutiger wissenschaftlicher Name: Isothecium alopecuroides) ist ein in Mitteleuropa weit verbreitetes Laubmoos: „Bildet kräftige, ausgedehnte, oft kissenförmige, etwas starre, bleichgrüne, lebhaftgrüne bis bräunliche Rasen, wenig glänzend, mit stoloniformem, dünnem Hauptstengel und meist 2-5 cm langen, bogig aufrechten, oben büschelig, verzweigten, sekundären Stengel. Laubblätter länglich bis eilänglich, meist kurz zugespitzt.“ [aus Migula 1904] Heute wird es auch in homöopathischen Globuli verwendet.
    Das abgebildete Exemplar wurde vor über 100 Jahren von Carl Bosch am Rombachweg in Heidelberg am 11. Dezember 1917 gesammelt. Carl Bosch war einer der größten Bürgerwissenschaftler Anfang des 20. Jahrhunderts und hat riesige naturwissenschaftliche Sammlungen zusammengetragen, darunter Moose, Käfer, Schmetterlinge, Muscheln und Schnecken, fossile Korallen sowie Mineralien. Von den Moosen hat er gekauft, was damals verfügbar war, und so eine bedeutende und einmalige Sammlung von Moosen aus aller Welt aufgebaut. Aber er hat auch selbst in Heidelberg und Umgebung gesammelt und nach der aktuellen Literatur bestimmt. Die Zahl „712“ auf dem Originalumschlag bezieht sich auf das damalige Standardwerk zur Bestimmung einheimischer Moose von W. Migula „Kryptogamen Flora von Deutschland“, erschienen 1904. Zu dieser Zeit war es noch als Isothecium myurum bekannt.
    Die naturwissenschaftlichen Sammlungen wurden von den Erben Carl Boschs 1950 an das Senckenberg Museum als Leihgabe und 1962 als Stiftung an die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft in Frankfurt am Main übergeben. Seither ruhten die Laubmoose im Herbar in Mappen und dank der Unterstützung der Klaus Tschira Stiftung kann derzeit das etwa 12.000 Belege umfassende Laubmoos-Herbar von Carl Bosch erfasst, erschlossen, digitalisiert und so der Wissenschaft zugänglich gemacht werden.



    Originalumschlag, in dem das Große Mausschwanzmoos aufbewahrt war


     


    ← zum dritten Objekt     zum fünften Objekt →      


     

 


25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


Hier finden Sie am Jahresende alle bisher veröffentlichten Objekte zusammengefasst in einer Datei