•  25 Objekte aus dem Carl Bosch Museum
    zum 25-jährigen Jubiläum der Klaus Tschira Stiftung


    Dieses Jahr wird die Klaus Tschira Stiftung 25 Jahre alt. Das Carl Bosch Museum gratuliert zum Jubiläumsjahr mit der digitalen Präsentation von 25 ausgewählten Objekten aus der Dauerausstellung sowie Schätzen aus dem Archiv des Museums. Deren wissenschaftlichen Hintergrund möchten wir Ihnen hier in den kommenden Wochen prägnant und verständlich darstellen. Ab dem 15. Mai finden Sie die wunderbaren Objekte in lockerer Reihenfolge pointiert beschrieben hier auf unserer Internetseite. Unsere Schätze wurden dafür von Mitarbeitern und Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete, mit denen das Carl Bosch Museum im regen akademischen Austausch steht, ausgesucht und beschrieben. Erfahren Sie mehr über die Hochdrucktechnik, heimische Moose und viele andere große und kleine Kostbarkeiten des Museums. Kommen Sie mit uns auf eine abwechslungsreiche, informative Reise durch das Leben und die Zeit Carl Boschs!


     
    6. OTTO BOLLHAGEN: ANSICHT DER BADISCHEN ANILIN- & SODA-FABRIK IN LUDWIGSHAFEN AM RHEIN, 1913/1914
    Photogravüre (Lichtdruck) und Druck: Meisenbach Riffarth & Co. Berlin, Velinpapier, 74,5 x 112,5 cm


    Beitrag von Vera Grinberg, Studentin der Kunstgeschichte, Universität Heidelberg



    Auf der querformatigen Photogravüre ist aus der Vogelschau frontal die Gesamtansicht einer Industrielandschaft zu sehen, die sich entlang des Rheins und in die tiefe Rheinebene, bis hin zum Pfälzer Wald erstreckt. Das mittlere Bildfeld zeigt den geometrisch genau gezeichneten Grundriss mit den Fabrikgebäuden, einer Planstadt oder barocken Gartenlandschaft ähnlich. Längs und quer ausgerichtete Fabrikhallen, von ihren Pult- und Scheddächern dominiert, bilden eine strikte, klare Ordnung des Geländes. Die große Schriftkartusche verrät, dass es sich um die „Badische Anilin- & Soda-Fabrik Ludwigshafen a/Rhein" handelt. Die rauchenden Schlote, die Eisenbahntrassen mit den fahrenden und dampfenden Güterzügen, der rege Schiffsverkehr auf dem Rhein, ebenfalls unter Dampf gesetzt, bringen alles in Bewegung.
    Die Fabriklandschaft ist von einem kräftig beleuchteten Segmentbogen abgeschlossen, gleichsam Symbol für die Strahlkraft der Industrieanlage. Darüber zu sehen sind der Limburger-Hof mit den akkurat aufgereihten Arbeiterwohnungen – eine innovative soziale Leistung – und die Ammoniakfabrik in Oppau am Rhein. Die Innenrahmung schmücken Kassetten mit den allegorischen Darstellungen der Erdteile, die für die weltumspannenden Beziehungen der Firma stehen. Des Weiteren die Darstellung der alltäglichen Lebenswelt – Arbeit und Familie.
    Diese Auftragsarbeit der BASF aus dem Jahr 1913 markiert das Jahr der Inbetriebnahme der Ammoniak-Fabrik, dem ersten Werk weltweit, das nach dem Haber-Bosch-Verfahren synthetisches Ammoniak herstellte.
    Solche Art idealisierter Industrieveduten war Anfang des 20. Jahrhunderts weit verbreitet und beliebt: Die Großindustrie gab häufig Gesamtansichten ihrer stets wachsenden Unternehmen in Auftrag. Neben der repräsentativen Wirkung ging es nicht zuletzt auch darum, auf die potenziellen Kunden zu wirken. Ihren Ursprung hatten sie in Briefköpfen der Geschäftsbriefe.
    Diese so genannte Hochperspektive, die Otto Bollhagen in seinem „Atelier für Gemälde und Zeichnungen von Hochperspektiven und Innendarstellungen Großindustrieller Betriebe" anfertigte, konnte er nur dank aufwendiger Vorbereitungen so detailgenau realisieren: Mithilfe von Bauplänen, Luftschiffaufnahmen, Zeichnungen von werkseigenen Wassertürmen und Schornsteinen aus wurden Skizzen vorbereitet, die ihm für seine Gemälde als Vorlage dienten, welche sich wiederum über das Reproduktionsverfahren der Photogravüre vervielfältigen ließen.


    DETAILANSICHT


     


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25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


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25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


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