•  25 Objekte aus dem Carl Bosch Museum
    zum 25-jährigen Jubiläum der Klaus Tschira Stiftung


    Dieses Jahr wird die Klaus Tschira Stiftung 25 Jahre alt. Das Carl Bosch Museum gratuliert zum Jubiläumsjahr mit der digitalen Präsentation von 25 ausgewählten Objekten aus der Dauerausstellung sowie Schätzen aus dem Archiv des Museums. Deren wissenschaftlichen Hintergrund möchten wir Ihnen hier in den kommenden Wochen prägnant und verständlich darstellen. Ab dem 15. Mai finden Sie die wunderbaren Objekte in lockerer Reihenfolge pointiert beschrieben hier auf unserer Internetseite. Unsere Schätze wurden dafür von Mitarbeitern und Wissenschaftlern verschiedenster Fachgebiete, mit denen das Carl Bosch Museum im regen akademischen Austausch steht, ausgesucht und beschrieben. Erfahren Sie mehr über die Hochdrucktechnik, heimische Moose und viele andere große und kleine Kostbarkeiten des Museums. Kommen Sie mit uns auf eine abwechslungsreiche, informative Reise durch das Leben und die Zeit Carl Boschs!


     
    9. SPEICHERFLASCHE
    Keramik, 2500 Liter Fassungsvermögen, 2,40 m hoch, um 1950



    Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden in der BASF unter der Projektleitung von Carl Bosch die ersten chemischen Produktionsanlagen, die mit hohem Druck bis zu 300 bar arbeiteten. Sie dienten der Herstellung von künstlichem Dünger für die Landwirtschaft und weiteren stickstoffhaltigen Chemikalien (siehe Objekt 2, Haber-Bosch-Anlage sowie Objekt 7, Schlag-Ringschlüssel).
    Diese Hochdrucktechnik war in vielerlei Hinsicht innovativ. Beispielsweise liefen ihre Prozesse kontinuierlich ab, ganz im Gegensatz zu der bis dahin üblichen Chargenproduktion. Außerdem musste Stahl als neuer Werkstoff die altbewährte Keramik ersetzen, die durch den hohen Druck einfach zerplatzt wäre. Lange Zeit hatte Keramik die chemische Industrie geprägt, weil sie viele Vorteile in sich vereint. Sie ist beständig gegen Hitze und gegen fast alle Chemikalien außer Flusssäure. Zudem ist zu Steinzeug verarbeitete Keramik flüssigkeitsdicht, wie auch diese Speicherflasche hier.
    Hergestellt wurde sie um 1950 in der damaligen „Deutschen Steinzeugwarenfabrik für Kanalisation und chemische Industrie Mannheim-Friedrichsfeld". Die Geschichte des Unternehmens geht bis auf das Jahr 1878 zurück. Im Laufe der Zeit wechselte es häufig seinen Namen, wie zuletzt 2019, als es von „FRIATEC GmbH" in „Aliaxis Deutschland GmbH" unbenannt wurde.
    Solche Speicherflaschen wurden übrigens nicht nur zur Aufbewahrung von Chemikalien verwendet. Winzer nutzten sie ebenso, um Weine darin zu lagern.
    Obwohl keramische Werkstoffe heute seltener sind, bleiben sie unverzichtbar. Und manchmal finden sie Verwendung in Bereichen, in denen Laien sie niemals vermuten würden. So kommt es beispielsweise vor, dass bei modernen Verbrennungsmotoren die Innenwände der Zylinder mit Keramikpartikeln beschichtet sind, die den Abrieb durch den Kolben verringern.



    Herstellung einer 2000 Liter Speicherflasche
    (Probst, H.: 130 Jahre Firmengeschichte, Von der Steinzeug zur FRIATEC, Mannheim 1993; S. 279)


    ← zum achten Objekt    zum zehnten Objekt →  


     

 


25 Jahre Klaus Tschira Stiftung - 25 Objekte


Hier finden Sie am Jahresende alle bisher veröffentlichten Objekte zusammengefasst in einer Datei